“Früher habe ich viel mehr gelesen. Jetzt fehlt mir die Zeit dafür.” Kommt dir das bekannt vor? Willst du etwas daran ändern?

Es ist nicht nur ein Gefühl: Wir lesen weniger Bücher. In Deutschland gibt es fünf Millionen Menschen, die vor ein paar Jahren noch Bücher gekauft haben - und jetzt nicht mehr. Laut Marktforschung gibt es die meisten Aussteiger bei den 30-50-jährigen - da hat sich ein Drittel von Büchern abgewendet. Ein Drittel!

Warum eigentlich?

Liegt es daran, dass wir tatsächlich weniger Zeit haben als früher? Kann sein. Auf der anderen Seite: Wir haben auch Zeit für Netflix.

Liegt es daran, dass wir in Wahrheit gar kein Interesse mehr an Büchern haben? Vielleicht. Aber du liest diesen Artikel. Ich muss dir also nicht erklären, was an Büchern so toll ist.

Stattdessen erzähle ich dir, wie ich es geschafft habe, wieder mehr Bücher zu lesen - von zuletzt genau zwei Büchern pro Jahr auf über dreißig. Es sind nur kleine Tricks, und keine Sorge: Du musst dafür nicht früher aufstehen, auf deine Lieblingsserie verzichten oder gar weniger Zeit mit Freunden verbringen.

Let’s be a Bücherwurm again.

Bücher auf dem Smartphone lesen

Bücher nur noch auf dem Smartphone lesen

Wer mehr Bücher lesen möchte, muss ein Buch zur Hand haben, wenn er Zeit zum Lesen hat. Und ein durchschnittlicher Roman passt in jede Arbeitstasche, ohne dass sich der Rücken beschwert.

Ich hatte die letzten Jahre trotzdem nie ein gedrucktes Buch dabei und wenn, dann schien mir die Mühe, es für fünf Minuten an der Haltestelle oder in der Bahn herauszuholen, viel zu groß.

Also stieg ich auf den Kindle um. Der war tatsächlich so leicht, dass ich sein Gewicht in der Tasche nicht spürte - und ihn darin verstauben ließ. Allenfalls im Urlaub kam das arme Gerät mal ans Tageslicht.

Irgendwann begriff ich, dass das wahre Problem nicht der E-Reader und auch nicht das gedruckte Buch waren. Beide Medien hatte eine unbesiegbare Konkurrenz. Wenn du wie ich bist, gibt es ein Lesegerät, das du immer dabei hast und dauernd herausholst. Es ist fest in die Wartezeiten eingebaut, nie zu schwer, niemals ohne Akku.

Ja, genau. Das böse Telefon.

Als ich das erste Buch auf meinem iPhone beendet hatte, war der Bann gebrochen. Ich lese Bücher nur noch so.

Moment! Ist ein E-Reader nicht viel besser für die Augen und das Leseerlebnis? Oder noch besser direkt auf Papier? Nun ja, Gegenfrage: Ist es besser, stattdessen Snapchat und Instagram zu scannen, stundenlang, jeden Tag? Wahrscheinlich nicht.

Ich habe im letzten Jahr umgerechnet 10.000 Print-Seiten auf dem Smartphone konsumiert. Die Kindle App läuft bei mir mit augenfreundlichem schwarzen Hintergrund und weißer Schrift, der Bildschirm (ein iPhone 6+) ist groß genug. Und wenn ich tatsächlich zwischendurch auf den E-Reader umsteige, ist das auch kein Problem. Synchronisation sei dank.

Wichtig ist: Wann immer ich früher Facebook, Twitter, oder Instagram durchgescrollt habe, lese ich nun Bücher. Womit ich zum nächsten Punkt komme.

Weniger Nicht-Bücher lesen

Weniger Social Media - Mehr Bücher

Wir sind eine Generation von Viellesern: Artikel, Kommentare, Geschichten und Teaser. In Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter und siebzehn anderen Feeds. Plus Nachrichtenartikel. Umgerechnet sind das ganz schön viele Buchseiten pro Tag. Nur, dass es keine Buchseiten sind.

Ich checke weiterhin Facebook, Instagram und Twitter - aber nur dreimal täglich, nicht in jeder freien Minute. “Leseschulden” von Blogs, die ich abonniert habe und Artikel, die ich entdecke, hole ich am Wochenende auf.

Und Nachrichten? Das ist einfach: Ich lese fast keine Nachrichten mehr.

Ja, ich weiß. Das klingt nach einem Schritt in die falsche Richtung.

Nur es bringt aus meiner Sicht überhaupt nichts, den Nachrichtentickern hinterherzujagen. Die eine Hälfte der Nachrichten ist irrelevant für ein Bild des “Status Quo” der Welt. Die andere Hälfte setzt sich - gerade wenn ein Ereignis die Medien beherrscht - aus aufgewärmten Nicht-News oder Vermutungen zusammen. In diesem sehr lesenswerten Artikel beschreibt David Cain die Vorteile der Nachrichten-Abstinenz: “Lies drei Bücher zu einem Thema und du weißt mehr darüber als 99% der Weltbevölkerung. Verfolge ein Jahr lang den ganzen Tag die Nachrichten und du hast einen oberflächlichen Überblick zu tausenden von Geschichten, über die man an der Kaffeeküche spricht - zumindest für die wenigen Wochen, in denen sie populär sind.”

Inzwischen lese ich lieber die Zusammenfassung eines Themas, das die Medien über Wochen beherrschte. Möglichst mit ein paar Monaten Abstand und als gut geschriebenes Sachbuch.

Immer nur ein Buch gleichzeitig

Immer nur ein Buch lesen

Sei ehrlich: Hast du das Gefühl, mehr zu lesen, wenn du mehrere Bücher gleichzeitig liest? Ich habe mir das tatsächlich eingeredet, obwohl es jeder Logik entbehrt: Weder wird die Anzahl der Wörter weniger, wenn man zwei Bücher gleichzeitig liest (korrekter: abwechselnd), noch liest man dadurch schneller. Im Gegenteil.

Wahrscheinlich hat mir Rory Gilmore den Floh ins Ohr gesetzt. Die große Heldin aller Bücherwürmer hat im Verlauf aller Gilmore Girls-Staffeln 339 Bücher gelesen oder zitiert und sie las immer mehrere Bücher gleichzeitig. Das war ihr “Trick”.

Rory Gilmore Book Love

Jahrelang habe ich versucht, das zu imitieren. Nachdem ich einsah, dass ich niemals wie Rory sein werde (oder die Drehbuchautoren selber keine Bücher lesen), wurde das Leben einfacher. Eng damit zusammen hängt Tipp Nummer vier:

Bücher lesen, auf die man Lust hat

Bücher lesen, auf die man Lust hat

Warum könntest du überhaupt versucht sein, mehr als ein Buch gleichzeitig zu lesen? Oft hat eine “Pflichtlektüre” Schuld: Bücher, die man liest, weil man muss. Oder das Gefühl, hat, es zu müssen. Die Pflichtlektüre möchte man sich mit einem zweiten Buch erträglich machen. Niemand, der von einem Buch wirklich gefesselt ist, wird auf die Idee kommen, es für ein anderes Buch zu unterbrechen.

Fesselnde Bücher können auch Sachbücher und Ratgeber sein. Ein Sachbuch braucht nicht trocken oder schwülstig zu sein - bei 30.000 neuen deutschen Sachbüchern pro Jahr kannst du wählerisch sein.

Sobald ich also während meiner aktuellen Lektüre sehnsüchtig auf meine Leseliste schaue, weil der Roman doch nicht so spannend oder das Sachbuch schlecht geschrieben ist, weiß ich, dass es Zeit wird, das Buch (Achtung!) abzubrechen.

Ja, wirklich.

Mehr Bücher abzubrechen, bedeutet mehr Bücher bis zum Ende zu lesen. Denn wer Bücher liest, auf die er Lust hat, liest sie auch.

Warum überhaupt Bücher lesen?

Warum liest du Bücher?

Mein Grund ist: Ein Buch hat Anfang und Ende und zwischen diesen beiden Fixpunkten geschehen Dinge, die kein anderes Medium erreicht. Mehr Informationen als ein Monat voller Nachrichtenfragmente. Lebensechtere Figuren als Netflix sie je auf meinen 4K-Bildschirm gepackt hat. Geschichten. Fantastische Geschichten.

Wahrscheinlich gehörst du nicht zu den fünf Millionen, die in den letzten Jahren mit dem Bücherlesen aufgehört haben. Oder nur, weil dir die “Zeit fehlt”.

Gib ihnen noch eine Chance.